Playful Passage n.17
Dear wunderbarer Human,
As always, you can find the English translation below.
Ich melde mich mit einem „Was geht ab?!“ zurück! Oder vielleicht doch mit weniger Hype: "Wir leben. In verrückten Zeiten." Sicher sind, seit du das letzte Mal hier reingekommen bist, mehrere Lebenskrisen in dich rein und wieder herausgerauscht. Ich meine, wann hast du zuletzt einmal gedacht: „Waaas damit habe ich vor einer Weile noch gekämpft und jetzt, jetzt bin ich in einem komplett neuen Salat. Doch irgendwie scheint es durchweg essbar zu sein – oder kommt das nur mir so vor? Wir knabbern hier, wir snacken eine Challenge dort. Around and around and around we go. (Ups, now, you get now a new Ohrwurm, did you know?)
SOS! Suche nach dem energieeffizientesten Zustand. Ich kehre gerne hierhin zurück, wenn ich mich inspiriert fühlen will. Also in diesen Newsletter mein ich, ganz konkret. Merkst du das auch, diesen heftigen Sog aus den sozialen Medien, dieses Streben nach Dopamin, diesen Reiz, etwas Neues haben zu wollen, jemand anderes oder mit jemand anderem sein zu wollen? Wisst ihr, gerade saß ich mit einem guten Kollegen, Jonas – btw.: Wir haben seit letztem Sonntag einen Podcast zusammen, den findest du hier – und wir kamen auf das Thema zu sprechen, was so unsere intuitive Wunschvorstellung für ein erfülltes Leben sein könnte.
Warte mal kurz… Versuch, bevor die hier einfach weiterliest, dich mal mit deiner eigenen intuitiven Vorstellung eines wahrhaft erfüllten Lebens zu verbinden. Nur mal so einen Moment mit dir selbst, im Kontakt. Was nimmst du wahr? Ist da ein bestimmtes Körpergefühl? Ein Impuls, ein inneres Bild, eine Handlung, die gerade jetzt wirklich wichtig zu sein scheint? Geh dem Schlamassel nach und vergiss mal kurz, hier weiterzulesen. Wäre doch viel spannender, wenn wir beiden diesem Aspekt nachgehen und uns dann an einem so ganz abgefahrenen, spacey Ort wiederfinden, den noch keiner kennt. So maximaler Anfängergeist, weil wir auf eine Art mit uns in Kontakt sind, wie es einfach nur noch aufregend ist. Als ob du dir selbst ein Geschenk machst – aus dem NICHTS. Wobei dieses Nichts eigentlich etwas ganz Eigenes ist. So eigen, dass du nur diesen verdammten Witz verstehen würdest, weil es etwas in dir zum Schwingen, zum Verbinden bringt, was zuvor einfach verhakt geblieben ist.
Du liest ja immernoch? Es sei dir verziehen. Sich in fremden Gedanken zu befinden, kann paradoxerweise, einen auch mit sich selbst verbinden. So geht es mir zurzeit mit Brandon Sandersons Sturmlicht-Chroniken. So delikat. Hmmmmmmm. Nein, wirklich. Also wirklich, wirklich wunderbar.

Die französische Spielemesse in Cannes wirkt noch immer nach. Es war eine gänzlich verrückte Erfahrung, unser Spiel dutzende Male mitzuerleben und kein Wort zu verstehen. Am ersten Tag haben wir noch versucht, auf Englisch zu spielen, doch wurde schnell klar, dass der richtige Flow vor allem auf Französisch stattfand. Und das Kurioseste war, dass wir während der Messe einen gänzlich neuen Spielmodus entwickelt haben. Kooperativ-Delux könnte man ihn wohl nennen. Und fast alle wollten auf diese Art spielen. Du musst wissen, Insightopia wurde als semi-kooperatives Spielerlebnis entworfen. Bedeutet: Alle verfolgen das gemeinsame Ziel, durch neue Erkenntnisse bis nach Insightopia zu kommen und sich durch das Interpretieren von Bildkarten und das Beantworten von Fragen weiterzuentwickeln. Gleichzeitig dazu gibt es eine sogenannte Social-Deduction-Mechanik (ähnlich wie im Spiel Werwolf), die jedem/jeder eine individuelle geheime (prosoziale) Mission unterjubelt, durch welche Punkte generiert werden können. Auf der Messe dann, wurde uns klar, dass die neue, rein kooperative Spielform (ohne Social Deduction) nochmal niederschwelliger für den Einstieg ins Spiel geeignet ist. Dementsprechend gibt es jetzt quasi 2 Spiele in einem. Und es fühlt sich nochmal runder an.
Welche Fähigkeiten will Insightopia in den Spielenden hervorkitzeln? Das ist eine ganz zentrale Frage für uns. Da wir uns als Verlag verstehen, der Spiele kreiert, um Skills fürs echte Leben und echte Verbindungen zu fördern, ist es uns wichtig, Menschen in Erfahrungsräume zu befördern, die ihre Potenziale zum Erblühen bringen. In Frankreich hatten wir viele Paare und Freundesgruppen, die uns nach dem Spielen gesagt haben, dass sie Dinge gesagt haben, die sie gar nicht über sich wussten. Besonders spannend waren für mich persönlich die Abschlussrunden. In der letzten Runde des Koop-Modus hat jeder/jede SpielerIn 3 magische Visionskarten. Das sieht dann ungefähr so aus:

Und die Aufgabe ist, eine letzte, persönliche Erkenntnis aus dem Zusammenspiel der 3 Bilder abzuleiten. Ach, es ist so eine intensive Energie, wenn alle schweigen und brüten, fühlen, denken und zu guter Letzt wirklich, wirklich wunderbare Antworten geben. Lange nannten wir dieses Spielelement die „tri-soziative Dechiffrierung“. Wir haben den Namen aus Gründen der kollektiven Verwirrung zwar gestrichen, doch hier in meinem Newsletter darf ich ja so viel darüber schwadronieren, wie ich es für angemessen halte. Du bist noch da? Perfekt! Also, durch einen genialen Menschen namens Koester, wurde ich vor 6 Jahren mit dem Konzept der Bisoziation vertraut. Hier eine kleine Referenz zum Wikipedia-Artikel:
Bisoziation bezeichnet den kreativen Vorgang der Verknüpfung von Begriffen, Bildern oder Vorstellungen aus unterschiedlichen begrifflichen Bezugsrahmen. Der Begriff wurde von Arthur Koestler in seinem Werk The Act of Creation(1964; deutsch: Der göttliche Funke, 1966) in Anlehnung an das Wort „Assoziation“ eingeführt und gilt heute als ein Grundbegriff in der Kreativitäts- sowie in der Humorforschung.
Damals in meiner Masterarbeit habe ich noch untersucht, inwieweit verbaler und visueller Humor mit solchen Bisoziationen unterschiedlich funktioniert und ob kognitive Typen darauf einen Einfluss haben. Die Trisoziation war dann folgerichtig meine persönliche Weiterführung dieser Reise und auf eine Art eine Antwort auf die Frage, welche Skills Insightopia im besten Fall bei den Spielenden zum Leben erweckt. Und das Verrückte ist: Es funktioniert. Ob ihr’s glaubt oder nicht, ich war überrascht, wie smooth die Gehirne meiner TestspielerInnen mit diesem Task umgegangen sind. Als ob wir Otter wären, die endlich in einen kühlen Fluss hüpfen dürfen, sind die Metaphern und Gedankenbrücken zwischen den Bildkarten nur so in luftige Höhen geschossen.
Playful practice 😜: Fühl dich stolz und unfertig zugleich.
Das habe ich auf der Messe gemerkt. Irgendwie läuft das Game immer runder. Menschen verstehen nach wenigen Minuten, was zu tun ist, und können für 30–90 Minuten eine richtig schöne Zeit zusammen haben. Und gleichzeitig sprudeln die Ideen im Hintergrund immer weiter, wie ein Geysir, der so richtig in Fahrt kommt. Deswegen: Harrt noch etwas aus. Erzählt Menschen davon. Am besten unterstützt ihr uns dadurch. Ich spüre ganz tief in meinem Bauch und vor meinen inneren Augen, dass die SpielE, die da gerade heranreifen, einen ganz eigenen Twist haben. Einen Twist, der die Art und Weise, wie wir spielen, wie wir leben wollen, wo unsere Kraft und Aufmerksamkeit hingeht, umzugraben vermag. Wie so ein kleiner, süßer Maulwurf, der sich aus dem Boden schält und die frische Erde von den Pfoten schüttelt. (Ich weiß nicht, ob die das echt so machen …)
Lasst uns Bock auf Leben haben. Gerade in diesen spacey Zeiten. Lasst uns gemeinsam Spiele entwerfen, die keine Flucht vorm Alltag sind, sondern Spiele, die unseren Alltag viel weniger alltäglich werden lassen.
Mit Liebe und Kraft,
Daniel & die Playtipus Crew
Playtipus’ Playful Passage 🦦
Here we share how we're bringing a more intuitive, lighter way of living and working into the world – through play.
💤 Missed a passage? Find them all here.
✨ Our first game "Insightopia" is launching in the coming months – check out our Kickstarter Pre-Page.
🍄 If this resonates, share it with someone who needs a little more play in their life.
We're alive. In wild times.
Since you last stopped by, a handful of life crises have probably rolled through and out again. Around and around we go — snacking on one challenge here, nibbling another there.
I keep coming back to this newsletter when I want to feel genuinely inspired. Do you notice that pull from social media — the dopamine chase, the urge to be someone else or somewhere else? Jonas (my new podcast co-host, link below) and I were talking about what a truly fulfilling life actually looks like — intuitively, not theoretically.
PAUSE BEFORE YOU READ ON
Take a moment with yourself. What does a genuinely fulfilling life feel like — right now, in your body? Is there an image, an impulse, a thing that seems quietly urgent? Follow that thread. It's a gift you give yourself out of nothing — out of something that is entirely, distinctly yours.
Still here? Fair enough. Being inside someone else's thoughts can, paradoxically, connect you to your own. That's exactly what Brandon Sanderson's Stormlight Archive is doing to me right now. Delicate. Wonderful.
"They told us things they didn't know they knew about themselves."
The French games fair in Cannes is still reverberating. We watched our game played dozens of times — mostly in French, which we don't speak. On the first day we tried English; by the second it was clear that the real flow only happened in French. And somewhere in the middle of all that, we accidentally designed a whole new game mode.
Call it Cooperative Deluxe. Insightopia was designed as semi-cooperative — everyone works toward a shared goal of reaching Insightopia through image cards and reflective questions, with a social-deduction layer (think Werewolf) giving each player a hidden personal mission. But the fully cooperative version — no deduction — turned out to be an even gentler entry point. We now effectively have two games in one.
In the final round of the co-op mode, each player holds 3 vision cards and derives one personal insight from their interplay. The silence in the room — everyone brooding, feeling, thinking — and then the answers that come out... remarkable every time. We call this the tri-soziative deciphering (don't ask, it's a whole thing rooted in Arthur Koestler's concept of bisociation — the creative linking of ideas from completely different frames of reference). What surprised me: how smoothly people's minds handle it. Like otters finally allowed into a cool river, the metaphors just fly.
Playful practice: feel proud and unfinished at the same time.
The game keeps getting rounder. People understand it within minutes and can have a genuinely beautiful 30–90 minutes together. And meanwhile the ideas keep erupting underneath — the games ripening right now have their own distinct twist. One capable of changing where we put our energy and attention. Like a small, sweet mole emerging from the earth, shaking the fresh soil from its paws.
Let's stay hungry for life — especially in these strange times. Let's make games that don't let us escape the everyday, but make it far less ordinary.
With love and energy,
Daniel & the Playtipus Crew